"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben"
- Alexander von Humboldt
Moin moin liebe Leute!
Wo ich jetzt seit einiger Zeit wieder in die Vereinigten Staaten bin, wollte ich nochmals schreiben und ein bisschen über mein Auslandsjahr in Regensburg (und Rückkehr) reflektieren.
Da sind ein paar Punkte die vielleicht nicht so nett ausgedrückt sind, aber im Großen und Ganzen ist dieser Post eher Pro-Deutschland!
(Ich sage schon mal im Voraus Entschuldigung für die (viele, viele) Fehlern, die sich im Text befinden. Meine deutsch Fähigkeiten haben ziemlich schnell nachgelassen !!)
Die Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer süßer
Ja, das ist tatsächlich so! Ich habe am Ende (oder vielleicht das ganze) des Jahres immer davon gesprochen, dass ich UNBEDINGT wieder nach Hause wollte und, dass ich NIE wieder nach Deutschland wollte. Nun ja, ich bin seit ca. 14 Wochen wieder im Lande und ich suche schon nach Möglichkeiten der Vaterland wieder zu besuchen. Wenn man weg ist, vergisst man das was einen schon immer gestört hat. Jetzt wo ich wieder hier bin erkenne ich alle Sachen die mich mal aufgeregt haben wieder und will so schnell wie nur möglich wieder weg! Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass es mir genau so gehen wird wenn ich erstmals wieder in Deutschland bin. Man kann ja nie zufrieden sein! Ich mache im Moment so viel wie nur geht auf Deutsch, was hier aber ziemlich schwierig ist. Ich lese Bücher nur noch auf Deutsch, gucke so viele Filme und Fernsehen wie möglich auf Deutsch, der Tagesschau ist natürlich dabei und ich bin nicht weit davon alle deutschsprachige Lieder die ich habe auswendig singen zu können, ich besuche (mit-veranstalte) ein Deutschstammtisch an der Uni und bin Präsident von unser Deutschklub. Mein Leben geht also immer noch um Deutschland. Die Sprache ist das was mir aber am meisten fehlt.
Ich bin allergisch gegen Dummheit
Leider gibt es dumme Menschen überall auf dieser Welt. Ich würde nicht sagen, dass die US-Amerikanern grundsätzlich dummer als die Deutschen sind (was viele Deutschen gerne behaupten). Die Menschen sind einfach anders dumm. Ich saß, zum Beispiel, vor ein paar Wochen in einer Vorlesung indem wir eine Frage über eine Stadt in Österreich beantworten sollten. Die Antwort war gaaaaaaaanz klar Wien! Ich dürfte dann zuhören während ca. 25 Studenten sich gestritten haben, ob es nicht vielleicht Oslo oder London wäre (da sie gemeint haben das Wien ja keines falls richtig war, weil es sich natürlich in Italien befindet). So sind die "Ami's" dumm. Sie wissen gar nichts über die Welt und wollen auch nichts über die Welt wissen! Darüber kann ich mich nuuuuur aufregen. Doch die Deutschen sind nicht allzu viel besser, sie glauben allerdings sie wissen mehr über die Welt als sie es eigentlich tun. Ich habe (zum Beispiel) von sooooo viele Deutschen hören dürfen wie die NSA ihre persönliche Telefonate (bestimmt über Pläne für's Wochenende oder ein neuer Pullover, die sie gekauft haben) abgehört, ihre E-Mails gelesen und (bestimmt auch) durch ihrer Wäsche gesucht haben und, dass sie das gar nicht okay fanden und, dass es überhaupt kein Grund dafür gäbe und, dass die Deutschen sowas nie machen werden und blah blah blah. Okay erster punkt: Ich sage nicht, dass ich alles okay finde was die USA angeblich gemacht haben soll (bin persönlich kein großer Fan von der gute alte Herr Snowden), doch ich glaube nicht alles was mir gesagt wird, kann einiges nachvollziehen (Einige Anschläge in Deutschland verhindert und vielleicht könnten sie helfen deine verlorene Socke wieder zu finden) und weiß, dass Deutschland nicht ganz so unschuldig ist wie sie sagen (Clinton und Kerry abgehört, und Jahre lang Daten von der NSA weitergeleitet bekommen). Ich weiß, dass dieser Thema mittlerweile etwas veraltet ist, doch sie verdeutlicht meinen Punkt.
Die Frage ist also, ob man eine Diskussion mit Jemanden führen will der überhaupt keine Ahnung hat, oder doch mit Jemanden der bloß eine "Mitläufer" ist und dir nur das sagen kann, was er von den Medien gehört hat ohne selbst nach zu recherchieren. Wenn ich die Wahl hätte mit eine Ami oder mit einer Deutscher mich zu unterhalten werde ich immer mit für den Deutschen entscheiden.
Universitätsausbildung
Alle die mal einen Blick auf die Uni-Regensburg geworfen haben wissen, dass es nicht gerade das schönste Ort auf Erden ist (Hässlich könnte man sagen. Könnte man.). Mein liebster Universität North Dakota im Gegensatz ist sehr schön. Hier gibt es klassisch aussehenden Gebäuden aus rote Backsteinen mit Bäume und Rasen überall auf dem Campus zu finden. Es sieht einfach klasse aus (außer das sich vier Baustellen zur Zeit auf dem Campus befinden). Aber die Uni geht nicht nur um das Aussehen! Auch die Organisation ist viel anders!
In Regensburg fand ich alles sehr kompliziert und unübersichtlich. Für manche Veranstaltungen musste man sich schon im Voraus anmelden, für andere erst zum Klausur, für manche Veranstaltungen gab es keine Note und für andere keine ETCS punkte. Als Ausländer der kein festen Studiengang hatte fand ich alles viel zu kompliziert! Vor allem weil man auch mehrere Internetportale brauchte um alles zu machen. Wenn man es aber geschafft hat die "richtigen" Veranstaltungen auszusuchen und zum richtigen Zeit (Wirklich c.t. und s.t.? Was soll der Scheiß) im Hörsaal saß fing alles wie üblich an. Die Professoren in Regensburg waren in der Regel recht nette Menschen und haben mir auch geholfen wo sie auch konnten (wollten). Das was mich an das System am Meisten gestört hat war aber, dass es in der Regel keine Hausaufgaben gab und, dass die Gesamtnote bloß von eine (sehr sehr schwierige) Prüfung am Ende der Semester abhing! Okay, man geht also Monate lang in einer Vorlesung, lernt über eine Vielfalt an Themen und soll aus dem Empfohlenen Literatur Tausende von Seiten lesen und dann am Ende der Semester alles über alles was jemals besprochen wurde wissen? Bitte. Ein bisschen Hilfe wäre schon hilfreich. Die Studenten dürften wohl wissen ungefähr welche von die 30 Themen in die Prüfung dran kommen werden. Ich bin sehr Leidenschaftlich wenn ich sage, dass ich das komplett unfair finde. Die information Wiedergabe ohne Anwendung bringt doch nichts im Lernprozess. Es ist ja toll, dass einige es schaffen, genug für die Klausur zu lernen um durchzukommen, drei Tage später wissen sie aber nichts mehr von!
Fazit: GIB MIR HAUSAUFGABEN WO ICH DIE INFORMATION AUS DER VORLESUNG ANWENDEN MUSS!
In die Vereinigten Staaten läuft alles ein bisschen anders ab. Man meldet sich Monate vor dem Semester beginn in jeder Veranstaltung an. Man geht dann zum angegebenen Zeit in der Hörsaal und bekommt am ersten Tag einen Syllabus auf dem alle Themen und Termine stehen (wirklich an welchen Tag was besprochen wird). Darauf findet man auch die Prüfungstermine (Ja, PLURAL) sowie als auch eine Liste von Themen die in der Prüfung dran kommen könnten (werden). Da sind auch andere hilfreiche Informationen drauf, doch das sind erst mal die Wichtigsten. Es gibt dann in fast JEDER Veranstaltung Hausaufgaben, Quizzes, und mehrere Prüfungen die verstreut über dem Semester stattfinden. Die Gesamtnote entsteht dann aus der Durchschnitt von alles.
Ich glaube tatsächlich, dass das Studium in Deutschland schwieriger ist! Ich glaube aber nicht, dass die Studenten dadurch schlauer werden (sind). In Deutschland arbeitet das System bloß gegen die Studenten, wo in die Vereinigten Staaten, im Gegensatz, das Uni-System arbeitet für die Studenten.
Beispiel:
In Deutschland: Man fällt in einem Kurs durch (nach der 3. Versuch): Sag "Tschüß Studium"
In die VS: Man fällt in einem Kurs durch: Man kann es so oft wiederholen wie er auch will.
Es ist auch (meiner Meinung nach) wichtig zu Erinnern, dass man in Deutschland ab 50% "bestanden" hat. In die Vereinigten Staaten muss man mindestens 70% alle Punkte haben um weiter zu kommen und 80% um eine "gute" Note zu bekommen.
Es gibt allerdings etwas kleines, dass ich Deutschland vermisse und zwar das Wischen der Tafel. Ich halte es zwar für unnötig, fand es aber immer sehr lustig.
Fazit: Die beiden Systeme sind sehr unterschiedlich. Sie haben beide ihre Stärken und ihre Schwächen. Ich bin gerade am überlegen, ob ich nicht vielleicht meinen Master in Deutschland machen will. Die Uni-Kiel hat ein Programm wofür ich mich momentan interessiere. So schlimm kann es in Deutschland also nicht gewesen sein. :D Ich glaube, dass mein Problem eher was mit das was ich studiert habe und weniger mit das Studieren selber zu tun hatte. Dieser Abschnitt ist in sofern etwas unfair von mir. Ich bin mir sicher, dass die meisten Austauschstudenten wundervollen Jahren ohne Probleme haben, ich bloß nicht :D
Ach ja! Ich habe (=werde) mein Chemiestudium ab mitte Dezember abbrechen. Ab Januar werde ich dann Deutsch (B.A.) und Internationale Beziehungen (B.A.) mit dem Schwerpunkt Deutsch(land) studieren. Wenn alles nach dem Plan läuft werde ich mitte Dezember 2015 mit dem Bachelor fertig sein. Eine etwas späte Entscheidung, aber durchaus das richtige. Habe bloß Angst mit dem Studium fertig zu werden und in die Welt einsteigen zu müssen!
Kein Weg ist lang, mit einem Freund an der Seite
Das Jahr in Regensburg hat die Bedeutung von Freundschaft für mich nochmal geändert. Die Leute mit dem ich Wohnen dürfte und die Leute aus aller Welt mit dem ich Studieren und Feiern dürfte sind einfach klasse. Es ist immer so traurig, dass Man ein Jahr lang Freundschaften aufbaut und pflegt, geht aber am Ende wieder weg ohne zu wissen wann Man diese tollen neuen Freunde wieder sehen werde. Das ist aber sehr schön. Es ist so eine Kunst. Man lernt viele Leute kennen, doch es ist erst später wenn Man weg ist, dass Man erkennt welche wichtig waren und welche weniger. Auf jeden Fall gibt es einige Menschen mit dem ich auf jeden Fall in Kontakt bleiben will und hoffe, dass ich alle Freunde in Regensburg, sowie im Rest Deutschlands, bald wieder besuchen kann! Auf jeden Fall werde ich ab Dez. 2015 Zeit haben!
Sehr wichtig war diese Jahr auch meine ehemalige Gastfamilie. Sie waren und sind immer meinen Ersatzfamilie die mich immer unterstützen und Rat geben können! Ich bin unglaublich froh, dass ich wieder so viel Zeit mit sie verbringen dürfte und hoffe, dass ich auch sie bald wieder sehe! Dankeeeee! :D
Wenn du es willst, dann schaffst du es schon
Und zum Schluss muss ich nur sagen, dass das obwohl das zweite Jahr in Deutschland für mich schwer war, ich fand es auch unglaublich hilfreich. Es mag ja etwas Klischee klingen, doch ich bin als Mensch gewachsen und kenne mich selbst viel besser! Meine Deutschkenntnisse haben sich auch massenhaft verbessert (und sich auch wieder verschlechtert). Ich weiß auch jetzt in welcher Richtung ich mein Leben führen will und, dass ich mein ganzes Leben in die Vereinigten Staaten eigentlich nicht verbringen will. Deutschland wird vielleicht nicht das Endziel sein, aber vielleicht doch. Auf jeden Fall bin ich froh die Entscheidung gemacht zu haben. Wenn ich es nochmal machen könnte wäre ich sofort dabei!
Fall's ihr Fragen oder Kritik habt, lass mich wissen! Danke für's Lesen und mach's gut!
- Der James
